Über Götter, Titanen und Geister

///Über Götter, Titanen und Geister

Über Götter, Titanen und Geister

Für Aphrodite

Diesmal war er völlig außer Atem.
Er schien auch etwas blass zu sein und dazu dieser Geruch.
Er roch nach Schwefel oder irrte ich mich?
Das Ganze war auf jeden Fall sehr merkwürdig.

Stockend erzählte er:

Ich habe etwas gesehen, dass muss ich dir erzählen.
Du musst es mir glauben, denn es ist wahr.

Nur wenn du mir glaubst, wirst du es auch verstehen können.
Wenn alle Menschen, naja, ich meine fast alle Menschen, verstehen –
Seid ihr zu retten. Könnt ihr euch selber retten?

Ich flog so durch den Weltraum.
Nein, ich träumte, dass ich durch das All flog.“

Da huscht ein Lächeln über sein Gesicht, so als wollte er andeuten, dass die Geschichte sich wirklich so zugetragen hat und er berichte nur von einem Traum, um mich nicht – emotional –  zu überlasten.

Soweit hatte ich ihn inzwischen verstanden.
Ich war gespannt was nach dieser Einleitung kommen würde, verständlicherweise.

„Ich flog im Weltraum und von hier nach da.
Das mache ich ab und zu. – Ehm, ich meine natürlich, dass ich ab und zu davon träume.
In diesem Traum sah ich drei große böse Geistwesen.
Sie kicherten.
Sie tanzen.
Sie zhausten sich gegenseitig in den langen Haaren
Sie schrien herrisch und hysterisch
Sie berührten sich gegenseitig überall in voller Ektase.
Es war unsäglich und unsittlich
Sie tobten und tanzten in einem Hass- und Lust erfühlten, merkwürdigen und energiegeladenen Zustand umher.

Es war mit Sicherheit kein geordneter Tanz.

In ihrer Mitte, soweit man in diesem Chaos von einer Mitte reden konnte, war so etwas wie ein Kessel und darin war eurer Planet, die Erde, gefangen.

Die eine schrie, die andere warf harziges Salz unartig hinein, in den Kessel:

‚Ich entziehe euch das Vertrauen in die Natur und den Glauben an die Götter.
Ich beschere euch die falschen Götter:  Wissenschaft, Gold und Vereinzelung.

Die nächste warf etwas Festes in den Kessel und sprach in vollster Lautstärke:

‚Ich töte die Natur! ‘

Die letzte  kicherte und schleuderte schreiend fünf lange, dicke und hässliche Haare, die sich wie Schlangen wunden, in den Kessel:

Die Missgunst der alten Weiber gegen die Jungen.
Angst vor dem Ungewissen, welches alles Lebendige beinhaltet.
Lachhaft machen des jugendlichen maskulinen Helden.
Das Töten der näherenden Oma Liebe.
Das Vergiften der erotischen Liebe.

Diese fünf Sätze schrie sie immer wieder.

‚Das sind meine Beiträge, meine Haare, sie sollen euch und alles langsam über Generationen töten und vernichten.

Das Paradies entschwinde.
Das Paradies entschwinde.
Das Paradies entschwinde.
Das Paradies entschwinde.‘

Das schrien sie im Chor.
Verzeih mir, ich höre es immer noch.

Dann lachten sie schrill, als wären sie rein hormongesteuert und vollkommen wahnsinnig.
Sie flohen und flogen zum nächsten Planeten.“

Der kleine und blasse Mann zitterte ein wenig.

Glaub es mir, im Weltraum kann man riechen, zumindestens manchmal.
Zudem war es voller Schwefel und Ohrenbetäubend laut.“

„Ich bin  aufgeklärt!!!“, sagte ich ihm  mit lauter Stimme.

Ich versuchte ihn zu beruhigen und beschwichtigte ihn:

„Ach, das war ein Traum beruhigt dich wieder.
Im Weltraum kann man nichts hören.
Es riecht dort auch nicht, weil er gar keine Luft hat.
Deshalb kann es auch kein Feuer geben.

Es wird alles so weitergehen, wie es immer gegangen ist.
Die Sonne wird morgens aufgehen.
Es wird regnen und die Pflanzen wachsen
Die Tiere werden sich fortpflanzen und die Menschen auch.“

„Das ist es ja!!!!!“, schrie er fast, „dieser Kreislauf ist gestört worden von Ihnen.
Ich muss gehen“, sagte er traurig und fügte noch dazu:

„Denk drüber nach und sei stark!“ – Dann war er weg.

Ich wollte mit einem Schmunzeln die Angst wegrationalisieren, die sich in mir breitgemacht hatte.
Aber er sagte mir ich solle nachdenken.
Also kaufte ich mir ein Buch von Verena Karst „Die Nixe und der Brunnen“, oder so ähnlich, lautete es.

Dann versuchte ich die fünf Haare zu verstehen.
Ich begann hinter die Worte zu schauen, nicht nur jetzt sondern generell.

„Das macht Spaß! Oder?“

Der kleine Mann war wieder da und beobachtete mich beim Lesen. Er will bestimmt noch etwas sagen.
Ich schaute ihn erwartungsvoll an.

„Stopp! Ich hätte fast schon wieder vergessen euch von meinem Traum zu erzählen.
In ihm erschien mir eine weißhaarige alte Frau und erzählte mir Märchen.

Sie erklärte mir, wie man die vergifteten Kessel reinigen kann.

Sie ist oder war sich sicher, dass das Universum voller Kessel ist und dass in einigen dieser Kessel auch Planeten gefangen gehalten werden.

Aber es gibt einen einfachen Trick diese Planeten zu befreien.
Kennst du den Trick?“

Bevor ich antworten konnte war er weg.
Ich hatte ihn noch nie so laut lachen gehört.

2018-12-19T16:02:27+00:00